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by Konichigirl

Licht und Dunkelheit

 

Ich blicke in die Nacht.

Auf der Suche nach einem Licht.

Irgendwo

Irgendwie

Ich weiß, dass die Nacht jedes Licht verschlingt.

Dass die Dunkelheit ohne Licht wohnt...

Und trotzdem suche ich es.

Vielleicht hab ich einfach schon zu lange in der Dunkelheit gesessen.

Weiß ich überhaupt noch, was Licht ist?

Wie es sich anfühlt?

Wie es aussieht?

Wenn ich es nicht weiß, wie will ich es dann erkennen?

Bin ich eigentlich der Einzige, der hier im Dunkeln sitzt?

Meine Finger Schmerzen.

Ich hab mich auf sie gesetzt, als es kalt wurde.

Aber die Kälte ist nicht verschwunden.

Sie kommt von innen.

Jemand hat das Licht ausgemacht. Meine Kerze ausgepustet.

Ich könnte mir viele Metaphern ausdenken, doch was nützt es mir.

Hell wird es trotzdem nicht.

Vielleicht sollte ich mit Tom reden...

Hmm...vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Bei Tom ist es hell und die Dunkelheit mag das nicht.

Sie ist es nicht gewohnt.

Ich starre noch immer aus dem Fenster und ziehe die Knie an, umschlinge sie mit meinen Armen.

Der Boden ist hart...und kalt.

In mir...ist es aber viel kälter.

Vielleicht sollte ich doch zu Tom gehen.

Wenigstens einmal am Licht schnuppern.

Ich stehe auf. Die Decke lasse ich liegen.

Was bringt sie mir?

Wärme kann sie mir nicht schenken.

Ich klopfe an Toms Tür.

Vermutlich wird er es nicht hören, er schläft sicher.

Noch kann ich zurück.

Noch...

Vielleicht darf jemand wie ich nicht am Licht schnuppern.

Vielleicht erblindet jemand wie ich daran.

Möchte ich dieses Risiko eingehen?

Vermutlich nicht.

Aber...in der Dunkelheit sehe ich sowieso nichts.

Was bringt mir dann mein Augenlicht.

Also ist es egal.

 

Ich klopfe nicht noch einmal.

Ich möchte spielen.

Mit dem Schicksal.

Es hat schon so oft mit mir gespielt.

Wieso darf ich nicht auch?

Jetzt bin ich dran.

Ich ganz allein.

 

Hmm...Vielleicht mag das Schicksal mich einfach nicht.

Wieso hat es mich sonst in die Dunkelheit verbannt?

Welche Farbe hat das Schicksal eigentlich?

Regenbogen?

Hmm...vielleicht.

Heißt das, ich kann das Schicksal erkennen.

Immer wenn ein Regenbogen erscheint?

Oder...hat das Schicksal gar keine Farbe?

Schicksal...

Vielleicht hat sich das ja auch nur jemand ausgedacht, der im Dunkeln saß.

Aber das heißt doch, es gibt mehr von meiner Sorte.

Ist die Dunkelheit so groß, dass wir alle in ihr Platz finden?

Oder hat jeder seine eigene Dunkelheit?

Im Herzen.

Was soll´s, wenn ich darüber nachdenke...

Wird es trotzdem nicht hell.

Toms Tür bleibt auch geschlossen.

Das Schicksal lässt mich wieder verlieren.

Ist es vorherbestimmt?

Wird man entweder als Verlierer, oder als Gewinner geboren?

Oder hat man erst endgültig verloren, wenn die Dunkelheit kommt.

Vielleicht wird einem ja die Dunkelheit angeboren.

Anderen Licht.

Komisch.

Ich glaube ich denke zu viel darüber nach.

Sollte ich es nicht einfach hinnehmen?

 

Ich stehe immer noch vor der Tür.

Ich spüre meine Füße nicht mehr.

Ich sollte zurück gehen.

Hmm..ja, sollte ich.

 

Sind alle aus der Dunkelheit so unentschlossen.

Oder nur ich?

Sitze ich vielleicht doch alleine hier.

Bin ich vielleicht doch ihr einziger Gefangener.

Wer weiß das schon.

Das Einzige, das ich weiß ist:

Dass es aus ihr kein Entrinnen gibt.

Sieht man ja!

Nicht mal schnuppern

Darf man am Licht.

 

Ich denke es ist jetzt wirklich Zeit.

Also gehe ich zurück.

Schlafen kann ich nicht.

Also stell ich mich wieder ans Fenster, suche weiter.

 

Plötzlich klopft es an meiner Tür.

Ich drehe mich nicht um.

Wer soll es schon wichtiges sein?

Niemand aus dem Licht besucht freiwillig die Dunkelheit.

 

„Bill?“

Tom.

Schläft er doch nicht.

Komisch.

Er hat nicht auf das Klopfen reagiert.

Ich tu es auch nicht.

„Bill?“

Schon wieder.

Nun ja, gerufen habe ich ihn nicht.

Hätte ich es getan,

hätte er geantwortet?

Eher nicht.

Also schweige ich weiter.

Ich drehe mich nicht einmal um.

Habe nicht einmal ein Schlechtes Gewissen.

Irgendwo fällt eine Tür zu.

Toms.

Was er jetzt wohl macht?

Schlafen bestimmt.

Er kann es ja.

Komisch, dass die Menschen im Licht schlafen können.

Man schläft doch Nachts.

Und bei denen ist nie Nacht.

Bei mir immer.

Wieso kann ich dann nicht schlafen?

Vielleicht sollte ich es probieren.

Hmm...ja vielleicht.

Vielleicht auch nicht.

 

Es ist wieder Morgen.

 

Ich höre wie Tom aus seinem Zimmer tritt,
leise die Tür schießt.
Wie seine Füße über den Flur schleichen
und das Holz unter ihm knarrt.
Ich höre wie er vor meiner Tür inne hält.
Ich kann beinahe sehen,
wie er die Hand ausstreckt, um zu klopfen
und sie dann wieder zurück zieht.
Denn dann sind seine Schritte wieder zu hören.
Und irgendwann verstummen sie ganz.
Ich wende mich vom Fenster ab
und sehe mich um.
Obwohl der Tag bereits begonnen hat
und Sonnenlicht durchs Fenster fällt,
nehme ich mein Umfeld nur
in einem verschleierten Grauton wahr.
Mein Bett ist unberührt.
Nur die Decke liegt noch am Boden.
Es knarrt wieder.
Vor meiner Tür.
Ich schleiche hin
und lege ein Ohr an meine Tür.

„Bill? Bill, bist du wach?“

Natürlich, natürlich bin ich wach.
Aber ich würde gerne schlafen.
Singst du mir ein Schlaflied, Tom?
So wie früher?
Ich schweige.

„Bill... bitte, wir müssen reden!“

Reden?
Licht und Dunkelheit verhandeln nicht.
Das müsste Tom doch eigentlich wissen.
Er hat nie etwas getan.
Er hat gemerkt,
dass es dunkel um mich wurde.
Er war immer da.
Er hätte etwas tun können.
Aber er stand nur da
und sah tatenlos zu,
wie auch der letzte Lichtstrahl erlosch
und der letzte Funken Hoffnung starb.
Tom hätte es vielleicht ändern können.
Wenn jemand, dann Tom!
Er hat die Verbindung zwischen uns gebrochen.
Er, nicht ich!
Er hat mich im Stich gelassen.

„Bitte, Bill!“
Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.

Ja, Tom!
Ja, ich höre dich.
Und ja, wir müssen reden.
Aber das hätte schon lange vorher passieren müssen.
Jetzt ist es zu spät.
Tut mir leid.

Ich schleiche zurück zu meinem Bett
und lege mich hin.
Breite meine Arme aus
und schließe die Augen.
Ich weiß,
dass Tom immer noch vor der Tür steht.
Dass er mich gehört hat,
dass er weiß, dass ich wach bin.

„Gestern warst du auch wach, oder?“
„Gestern wolltest du auch nicht reden.“

Er macht eine längere Pause.

„Weißt du, ich auch nicht...“

Ruckartig schlage ich die Augen auf.
Irgendetwas tief in mir...
Ich weiß nicht, was es ist,
es beginnt zu leben.
Und es verursacht ein seltsames Geräusch.
Bum Bum.
Ganz schnell.
Bum Bum.

Kann es sein,
dass das Licht an der Dunkelheit schnuppern will?
Kann es sein,
dass Tom genauso gegen die Regeln verstoßen will,
wie ich?
Wortlos stehe ich auf,
drehe den Schlüssel
und öffne die Türe.
Ich sehe in Toms fahles Gesicht.
Es ist lange her.
Und jetzt steht er vor mir,
tiefe Schatten unter seinen Augen.
Traurige Augen.
Und dunkel.

Wieso?
Wieso sind sie dunkel?

Wir stehen da und schweigen uns an,
können den Blick aber nicht voneinander abwenden.

„Lass mich rein, Bill.“

Ich trete zur Seite,
mache ihm Platz.
Dann schließe ich die Tür wieder
und folge ich ihm.
Toms trauriger Blick schweift
zu den Vorhängen.
Ich habe vergessen,
sie wieder zu zuziehen.

„Stehst du oft am Fenster,“ fragt er mich
und sein Blick gleitet wieder zu mir.
Ich zucke mit den Schultern.
Was ist in der Unendlichkeit schon oft.
Und die Dunkelheit ist Unendlich.
Lange starrt er mich an.
Dann setzt er sich auf mein Bett
und schweigt.
Ich glaube, er will, dass ich rede.
Ich öffne leicht die Lippen,
schlucke.
Dann schüttele ich leicht den Kopf
und schließe den Mund wieder.
Ich kann nicht!
Tom beobachtet jede meiner Bewegungen.
Dann lächelte er schief.
Es ist ein trauriges Lächeln.

„Ich glaube, dich hat es noch schlimmer erwischt.“

Ich horche auf.
Etwas verschlüsseltes liegt in seinem Blick.
Und dann höre ich es wieder.
Bum Bum.
Und ich spüre es.
Bum Bum.

„Wieso sind sie dunkel, Tom?“

Es sind meine ersten Worte nach langer Zeit.
Zu langer Zeit.
Tom wendet den Blick ab.
Weiß er, was ich meine?

„Du hast es nicht verstanden, Bill.“

Er steht auf und geht.
Die Tür fällt ins Schloss.
Und ich bleibe alleine zurück.
Alleine mit dem Bum Bum.
Ich hatte doch recht.
Die Dunkelheit mag kein Licht.